Die Stadt Ostheim mit ihrer imposanten Kirchenburg ist das Zentrum einer alten thüringischen Enklave. Im Mittelalter wechselte die Herrschaft zwischen den Hennebergern, dem Stift Fulda, dem Erzstift Mainz und dem Hochstif Würzburg. Im Jahre 1555 kam Ostheim an die Herzöge von Sachsen und wurde 1741 dem Großherzogtum Sachen-Weimar-Eisenach zugesprochen. Nach der Gründung des Landes Thüringen wurde Ostheim 1922 ein Teil des Landkreises Meiningen. Im Jahre 1945 verblieb die Enklave in der amerikanischen Besatzungszone und gehört heute zum Landkreis Rhön-Grabfeld.
Ostheim blickt auf eine über 400-jährige Orgelbaugeschichte zurück. Im Stadtteil Oberwaldbehrungen ist das Renaissance-Orgelgehäuse der Michaleskirche aus dem Jahr 1573 erhalten. Der Orgelbauer Andreas Weiß heiratete die Tochter des Ostheimer Pfarrers Götz, nachdem er 1619 wahrscheinlich die Orgel in der neuen Kirche aufgestellt hatte. Von Johann Christian Hart, 1642 in Ostheim geboren, können Orgelbauarbeiten in Hartershausen, Helmershausen und Ostheim nachgewiesen werden.
Johann Ernst Döring, 1704 in Voigtstadt geboren, ließ sich in Ostheim nieder und baute neben mehreren Instrumenten im Umland 1738 die neue Orgel für die Michaelskirche der Kirchenburg. Bei Joh.Georg Schenk handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Schüler Dörings. Schenk läßt sich 1787 als Hoforgel- und Instrumentenmacher in Weimar nieder.
Die Ostheimer Orgelbautradition wird nun von der Familie Markert - Hoffmann bis in unsere Zeit weitergeführt.
Johann Georg Markert I (1781 - 1853) arbeitet bereits in der siebten Generation als Schreiner. Mit dem Bau eines Pedalclavicords um 1806, das im Bach-Haus in Eisenach erhalten ist, macht er als Instrumentenmacher auf sich aufmerksam.
Johann Georg Markert II (1813 - 1891) erlernt ebenfalls den Beruf des Schreiners und geht von 1835 - 1841 bei Hartmann Bernhard in Romrod als Orgelbauer in die Lehre. Anschließend begibt er sich auf Wanderschaft über Nürnberg, Neumarkt, Regensburg, Passau, Linz, Wien, Prag, Dresden, Leipzig, Halle, Weimar und Eschwege, sammelt Erfahrungen und erwirbt das Meisterrecht. 1847 wird er mit dem Umbau der Orgel in der Michaelskirche in Ostheim beauftragt und gründet 1848 offiziell seine Werkstatt. Über dreißig Neu- und Umbauten können nachgewiesen werden, darunter Ostheim II/29, Stockheim II/25, Heustreu II/19 , Völkershausen II/17 und St. Nicolai Eisenach II/24. Ein Teil seiner Neubauten, insbesondere im Thüringer Oberland, erklingen noch heute. Der Gerstunger Kantor J.F. Anhalt schrieb 1851 in seinem Gutachten u.a. "Als Resultat dieser Prüfung stellte sich also heraus, daß Markert alles leistet, was man im strengen Sinne von einem vollkommenen Künstler in diesem Fache verlangen kann."
Otto Reinhold Markert (1860 -1944) erlernt den Beruf in der väterlichen Werkstatt. Als Geselle arbeitet er bei Eifert, Stadtilm. Er baute mechanische und später pneumatische Kegelladenorgeln, u.a. Empfertshausen, Wiesenthal, Berkach, Dermbach und Henneberg.
In der vierten Generation fehlten die männlichen Nachkommen.
Otto Hoffmann (*1913) und sein Bruder Louis (1906 - 1965) wurden vom Großvater ausgebildet. 1945 übernimmt Otto die Werkstatt und führt sie von 1949-1965 mit seinem Bruder. 1970 wird eine neue Werkstatt in der Ludwig-Jahn-Straße gebaut und der Arbeitsbereich bis in das Rheinland ausgeweitet. Mit ca. 20 Mitarbeitern entstehen über 100 Neubauten (Baunach III/34, Karlstadt III/32, Solingen III/40, Selb III/42, Ebelsbach III/36).
Außerdem werden ca. 60 historische Orgeln restauriert, u.a. in Ostheim, Lahm / Itz, Bad Königshofen, Bad Neustadt, Etzelwang, Stetten, Klingenberg.
Horst Hoffmann (*1944) und Günter Hoffmann (*1947) übernahmen 1985 die väterliche Werkstatt. Als ausgebildete Orgelbaumeister und Restauratoren im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk führen sie heute die moderne, gut ausgerüstete Orgelbauwerkstatt mit 16 Mitarbeitern. Bisher entstanden ca. 60 Neubauten, darunter Kürnach III/31, Hofheim II/30,
Bad Kissingen II/28, Volkersberg II/29, Mariabuchen II/24, Lauf II/26, Wilhermsdorf II/22,
Neuhof II/26, Oberelsbach II/28, Sulzfeld II/26 und ca. 50 Restaurierungen u.a. in Fulda, Goldkronach, Vohenstrauß, Obereuerheim, Gerolzhofen, Triptis, Bettenhausen, Bibra, Elxleben, Geba, und Tröchtelborn.
Im Jahr 1993 gründeten sie das Orgelbaumuseum Schloß Hanstein in Ostheim, das mit Exponaten aus der über 150-jährigen Familientradition ausgestattet wurde, welche nun der Öffentlichkeit zugänglich sind. Das Museum verfügt heute neben kompletten historischen Werkstätten (Orgelmacher-Werkstatt und Pfeifenwerkstatt) spielbare Museumskopien der Theophilus-Orgel (um 1125), der Norrlanda-Orgel (um 1350), eines Manderscheidt - Positives von 1646, sowie Originalinstrumente, wie ein Manderscheidt-Positiv (1646), eine Toggenburger Hausorgel (1765), eine Chamber Organ (um 1780), eine ital. Orgel (um 1780), eine mechanischen Kegelladen-Orgel (um 1880), eine pneumatische Taschenladen-Orgel (1913), die Hausorgel von Dr. Supper sowie die Hausorgeln von Konrad Nagel.
Neben zahlreichen historischen Orgelteilen, Werkzeugen und einer spielbaren Pfeifenreihe mit den typischen Orgelregister kann die Ausstellung " 400 Jahre Orgelbau in Ostheim " besichtigt werden. Zum Jahresprogramm des Museums gehören Fachtagungen, Exkursionen und Konzerte.